Manche Tattoos haben eine Geschichte, die schon lange vor dem ersten Nadelstich beginnt. Bei diesem hier war es sogar eine kleine Familiengeschichte.
Meine Mama durfte schon ganz am Anfang meiner Tattoo-Reise als Versuchskaninchen herhalten. Ihr habe ich damals meine ersten beiden Tattoos gestochen. Mein Papa hingegen hatte eine klare Bedingung: „Du darfst mich erst tätowieren, wenn du gut genug bist.“ Das hat er mir über die Jahre immer wieder gesagt, natürlich mit einem Augenzwinkern, aber auch mit einer gewissen Ernsthaftigkeit.
Lange hat er überlegt, ob er sich überhaupt tätowieren lassen möchte und welches Motiv es werden soll. Für ihn stand aber immer fest: Wenn er sich eines Tages ein Tattoo stechen lässt, dann von mir. Sobald ich gut genug bin.
Und irgendwann war dieser Moment tatsächlich gekommen. Ich durfte meinem Papa sein allererstes Tattoo stechen. Ein Projekt, das wir über drei Sitzungen umgesetzt haben und das für mich persönlich eine ganz besondere Bedeutung hat. Nicht nur, weil er mein Papa ist, sondern auch, weil ich weiß, wie lange er auf diese Entscheidung hingearbeitet hat.
Heute ist er super happy mit seinem Tattoo und das Schönste daran: Er plant sogar schon das nächste. Aus „Du darfst mich erst tätowieren, wenn du gut genug bist“ ist also mittlerweile „Was machen wir als Nächstes?“ geworden.
Für mich ist dieses Tattoo nicht nur ein fertiges Kunstwerk, sondern auch ein schöner Meilenstein auf meinem Weg als Tätowiererin. Und ein kleiner Beweis dafür, dass sich Geduld manchmal auszahlt.